Mit freundlichem Dank an die Passauer Neue Presse, Artikel von Barbara Reitter-Welter
September 2026
Full House bei der Premiere im Wirtshaus im Münchner Schlachthof: Viele Frauen, gehobenes Durchschnittsalter, alles altgediente Fans von „Ladyboss“ Lisa Fitz. Die hat als Gute-Laune-Frau mit Biss auch nach mehr als 40 Jahren Bühnenpräsenz noch immer ihr Publikum souverän im Griff: charmant und deftig zugleich, direkt, eloquent, klug, witzig, provokativ, pointiert serviert sie im neuesten Programm „Heimleuchten“ eine Tour d‘Horizon durch die gängigen gesellschaftspolitischen Kabarett-Themen – auch wenn sie sich nicht mehr eindeutig festlegen lässt als überzeugte Linke.
Im „Minenfeld der Empfindlichkeiten“
Und ausschauen tut die 74-Jährige immer noch, als sei sie gerade einem Jungbrunnen entstiegen. Dabei sei das Outfit, dieses weite, schwarze Motörhead-T-Shirt, von ihrem Partner – so kokettiert Fitz bei ihrem Premierenabend. Und verwandelt sich nach der Pause im lila Etui-Kleid und auf ebensolchen High-Heels mühelos zu einer Sex-Bombe – auch wenn man solche Attribute heute ungestraft nur noch als Frau vergeben darf.
Sie selbst begibt sich den ganzen Abend immer wieder „auf ein Minenfeld der Empfindlichkeiten“, Motto „Was darf man noch sagen?“. Gleich bei der Begrüßung ironisiert sie die gängige Political Correctness im Wording, indem sie alle sexuellen Ausrichtungen zwischen „non-binär“ und „gender-fluid“ eigens adressiert – um sich lustig zu machen über die „neumodischen Mischwesen“. Damit trifft sie den Nerv vieler Zuschauerinnen, die sich denn auch bestens amüsieren über Lisa Fitz‘ Attacken gegen Gendern, Wokeness, Cancel Culture, ja sogar Windräder, also alles, was dem vermeintlich „gesunden Menschenverstand“ derzeit in unserer Republik so zuwider ist. Da passt ihr Uralt-Hit „I bin bläd“ passgenau; er wird mit neuen Strophen zum Running Gag der zweieinhalbstündigen Performance, in welcher geschickt alte mit neuen Nummern verknüpft und bekannte Songs mit neuen Texten unterlegt werden.
Die Songs haben alle Ohrwurm-Qualität
Stimmlich ist die Kabarettistin auch nach einem langen Bühnenleben perfekt, ebenso einschmeichelnd wie explosiv, modifiziert sie die „Tulpen aus Amsterdam“ zum Protestlied „Blumen aus Ecuador“, um Kinderarbeit und Umweltgifte anzuprangern. Egal, was sie zur Gitarre singt, sie beherrscht alle Musikgenres zwischen dem bayerischem Jodler „Wir sagen, was wir denken…“, hartem Rocker-Sound mit „Geld macht geil“ und melancholischem Sound. Alles in Ohrwurm-Qualität, am tollsten ihr „Home-Office-Blues“. Dieser schließt an eine der besten Nummern des ganzen Programms an: eine Abrechnung mit der schönen neuen Welt der Digitalisierung und der weit verbreiteten Furcht vor KI und Chat GPT, in der die Apps das Leben organisieren und mehr wissen als der vertraute Partner, ja, wo der Toaster befiehlt „W-Lan prüfen!“ oder die „Zahnbürste offline“ ist. „Ich like, also bin ich“ attestiert sie der Jugend von heute. Natürlich weiß Lisa Fitz als Bühnen-Profi, wie man ein Publikum ködert, und setzt dem technologischen Fortschritt eine Horror-Dystopie entgegen – KI 3000 als ideologiefreier, gefühlsneutraler Kanzler. Und „Weltwissen per Chip im Hirn“ für den verunsicherten Bürger, um schließlich die guten, alten, analogen Zeiten heraufzubeschwören.
Wohlfeile Witze und langweiliger historischer Exkurs
Das ist mit viel kreativem Wortwitz formuliert, dass man die Zahl der wohlfeilen Witze und kompatiblen Kalauer ebenso verzeiht, wie den langweiligen historischen Exkurs oder das feministische Jammern über „ent-eierte Männer“, das mit Beispielen aus dem Tierreich der Glühwürmchen unterfüttert wird.
Live in der Region:
12.12. Schlachthof München
27.01. Stadthalle Erding


