Weimar. Lisa Fitz überzeugte mit ihrem Auftritt im Köstritzer Spiegelzelt auf der Bühne in mehreren Rollen.

Jetzt ist es endlich mal gesagt! Wer sein Auto äußerlich verdrecken lässt, ist auch innerlich eine Sau! Die Frau mit Kittelschürze und Besen, die sich am Samstag ihren Weg zur Bühne des Köstritzer Spiegelzelts frei fegt und uns aus der Seele redet, heißt Hilde Eberl und ist Putzfrau. Lisa Fitz steckt noch im Stau. Hilde nutzt die Zeit und teilt großflächig aus, über die Bahn, den Mann, die „Geländewagen, die noch nie Gelände gesehen haben“ und den „Plenarsaal, so leer wie die Versprechen der Politiker“.

 Da Lisa Fitz auch noch in eine Polizeikontrolle kommt, finden auch die großmäulige Kulturkritikerin Inge von Stein mit feuerrotem Haar, die Geheimagentin Olga mit Pelzkappe und Wodkaflasche sowie CSU-Abgeordnete Gerda Wimmer in Filzhut und grünem Jankerl genügend Zeit, allerlei Ungemach anzusprechen. Inge lamentiert über den „ferngesteuerten Hosenanzug“ Angela Merkel, Olga erklärt in russischem Akzent Geostrategie: „Wie bringe ich meinen Nachbarn dazu, dass er seine Gartenzwerge so aufstellt, dass sich der dritte Nachbar darüber ärgert?“ und Gerda erklärt die Doppelmoral der Partei, „Familie predigen, Sekretärin schnackseln“. Und dann kommt Lisa Fitz, brillante Verwandlungskünstlerin und kraftvolle Sängerin, die den depressiven Tom-Waits-Song „Yesterday Is Here“ so gut interpretiert wie „Das Kamel“, mit dem „saudummen und dadaistischen“ Text ihres Vaters Walter Fitz. Ihre kritische Zunge hat an nicht pointierter Schärfe verloren. Sie erweist sich beeindruckend als Grande Dame des Kabaretts, wenn sie eindringlich und unmissverständlich auf die macht- und ölgeile US-Politik oder die totale Überwachung durch digitale Technik hinweist.
Stefanie Grießbach / 08.05.16 / TA